Rückblick Symfony Day 2010 in Köln – Session 5: Framework oder CMS

Gaylord Aulke behandelte in seiner Session das Thema „Framework oder CMS“. Seine Herangehensweise war dabei kein Vergleich auf technischer Ebene. Er ging der Frage nach, wie einem Kunden ein Framework wie z.B. Symfony verkauft werden kann. Auch wenn es etwas holprig los ging, war das Thema und die anschließende Diskussion überaus spannend.

Bei mir traf das Thema einen empfindlichen Nerv. Nicht nur bei mir, wie sich dann bei der Diskussion heraus stellte. Es ist schon vom Entwickler-Standpunkt aus schwer sich gegen ein CMS wie Drupal oder Typo3 zu entscheiden. Wenn ich mich gegen den Einsatz eines solchen CMS entscheide, entscheide ich mich auch gegen Unmengen fertiger Funktionen und noch mehr bereits entwickelter Plugins.

Bei jedem Symfony-Projekt mit dem ich anfange, mache ich mir zum Beispiel aufs Neue Gedanken, wie das Menü am besten verwaltet werden kann und aktive Menüpunkt entsprechend angezeigt werden können. Sicherlich, es gibt diverse Lösungen dazu. In einem fertigen CMS muss ich mich um solche allgemeinen Dinge nicht mehr kümmern und kann mich auf Kernprobleme konzentrieren.

So weit die Theorie. Meine eigene Zerrissenheit in diesem Thema hat sich vor ein paar Wochen schon hier widergespiegelt. Das verstärkte Auftreten von Phrasen wie „Drupal Hell“ nach dem Vortrag, haben dann auch nahe gelegt, dass ich damit nicht alleine bin. Man setzt auf diese ganzen tollen bestehenden Funktionen eines CMS. Hat seine 90% oder 95% fertig und die letzten paar Prozent zur Fertigstellung werden zur Hölle, da einem das CMS zu viele Steine in den Weg legt. Die Entscheidung für das CMS ist aber seit langem gefallen. Der Weg zurück also nicht mehr drin. Man ist mittendrin in der CMS Hölle.

Etwa in dieser Phase eines Projekts, spätestens aber wenn es beim nächsten Mal um die Entscheidung für den Einsatz eines CMS geht, sehnt man sich die wohlige, gut dokumentierte und logische Struktur eines Frameworks wie Symfony zurück. Dort mögen zwar viele Dinge erst programmiert werden müssen. Dort kann ich sie aber auch konsequent umsetzen.

Ich hatte Mitte letzten Jahres meine ganz besonderen Höllen-Erfahrungen, neben den alltäglichen: Es ging um einen Veranstaltungskalender innerhalb einer Typo3 Seite. Als Extension war bereits zur Angebotserstellung die Calendar Base Extension auserwählt. Eine Extension die Typo3 eigentlich um genau die richtigen Funktionen erweitert.

Die Umsetzung beginnt: Ein paar kleine zusätzliche Vorgaben durch das Design. Ein paar Wünsche von Kundenseite. Die Einsicht das der Programmcode der Extension das reine Chaos ist und schon musste ich gleich mehrere Wochen in der Hölle schmoren… dabei war nur eine Woche ohne Hölle zur gesamten Umsetzung eingeplant. So lernt man Typo3 hassen, obwohl es selbst dafür gar nichts kann und arbeitet faktisch ohne Bezahlung.

Nun, Gaylords Präsentation konnte da leider auch nicht die Killer-Argumente bringen, warum man auf jeden Fall auf eine Framework setzen sollte. Zu zahlreich sind die Gegenargumente. So gilt es vor jedem Projekt wieder aufs neue genau abzuwägen. Das Vorhandensein einer Extension und eines CMS mit allen Funktionen genügt leider noch lange nicht um sich darauf verlassen zu können.

Mein Lösungsansatz, der in letzter Zeit zum Erfolg zu führen scheint, ist es wesentlich mehr Zeit für Planung und Konzeption einzuplanen. Auch bei ganz normalen kleinen Firmenseiten. Ich bombardiere den Kunden mit Fragen und drehe jedes Plugin dreimal um, bevor ich mich für den Einsatz eines CMS entscheide. Die letzten Prozente zur Fertigstellung verlieren durch diese Vorarbeit aber wesentlich an Schrecken.

Letztlich bin ich mir sicher das es nicht mehr lange dauern kann bis entweder Typo3 mit seiner Flow3 Basis oder Symfony mit seinen CMF-Bestrebungen die Entscheidung für mich wesentlich vereinfacht. Bis dahin führt das Thema bei mir aber leider weiter zu ausufernden Posts…

Übrigens, die Kunden bekommen letztendlich immer das Optimum und so ist es ihnen egal ob Framework oder CMS. Da muss ich persönlich gar nichts verkaufen. Der Kampf jedoch, der hinter dem erreichen des Optimums steht, ist letztlich immer mein eigenes unbezahltes Problem.

Die Slides scheinen leider noch nicht online zu stehen.

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